Einsame Höhenwanderung über dem Höllental

Am Jagdsteig zur Großen Rechenmauer

 

Schon von der Rechenbrücke im niederösterreichischen Höllental aus fasziniert der Anblick des wilden Felsenkessels vom Großofen und der Rechenmauer. Was wäre naheliegender, als diese wildromantisch alpine Westseite des Schneeberges über einen Jagdsteig zu besuchen? Während der Erste Wiener Wasserleitungsweg neben dem schönen Gebirgsfluss der Schwarza ein gut besuchtes Ausflugsziel darstellt, versinkt der in der nächst höheren Etage dahin führende Jagdsteig im Dornröschenschlaf. In Corona-Pandemiezeiten brachte ein großer Waldbrand vom 25.10.2021 an den Steilhängen des Mittagsteins viele Bäume zum Absterben. Infotafeln weisen auf ein Forstliches Sperrgebiet hin, das bis Ende 2027 verordnet wurde. Dank einer Skizze wird jedoch ersichtlich, dass der nördliche Abschnitt des Jagdsteiges nicht im Sperrgebiet liegt. Anzumerken wäre, dass der Jagdsteig nur von trittsicheren, orientierungskundigen und schwindelfreien Besuchern benutzt werden sollte.

 

Blick von der Rechenbrücke auf Großofen und Große Rechenmauer.

Wir starten also vom Parkplatz südöstlich der Rechenbrücke und überschreiten diese ans Nordufer der Schwarza. Links zweigt der gut begehbare Jagdsteig ab, der sogleich mit mehreren Kehren zügig bergauf führt. 

 

Nach kurzer Zeit bietet sich ein herrlicher Tiefblick zur Schwarza.


 Gegenüber zeigt sich die Rax.

 

Zwischen den Kiefern erhaschen wir talauswärts einen Blick bis zum Sonnwendstein. Imposanter dagegen zeigt sich die Felswand der Großen Rechenmauer. Kaum zu glauben, dass sich dieser Gipfel relativ einfach ohne Kletterei erreichen lässt...


Bald zieht der Steig knapp unter dem Kamm an der rechten Berglehne entlang. Dort wo das Gelände
merkbar flacher wird, lässt sich rechter Hand eine weiter unten liegende, baumbestandene Felskanzel erreichen, die uns imposante Durchblicke zwischen den Bäumen gewährt.

 

Danach durchschreiten wir eine Öffnung unter einem umgestürzten Baum.


 Voraus zeigt sich nun der Großofen, dessen Schütt wir überschreiten.


 Schroff fällt vor uns die Westwand der Großen Rechenmauer ab. 


Durch einen Waldabschnitt erreichen wir diesen Gipfel ganz leicht von seiner Hinterseite. Vom Rande der Felsabstürze ergeben sich prachtvolle Ausblicke...


 

 

Danach folgt die Querung eines größeren Schuttfeldes mit neuen Einblicken auf die Felswildnis über dem Fuchslochgraben.

  Schließlich senkt sich der Jagdsteig hinab zum Talschluss des Fuchslochgrabens.

 

Unzählige Schneerosen kündigen hier den Bergfrühling an.

 



Dann wenden wir uns talwärts in den Fuchslochgraben, wo bald links die Abzweigung zum Klettersteig leitet. Die Abzweigung ist pfadmäßig besser sichtbar als der direkte Pfad durch die Schlucht.

Nach wenigen Metern kommen wir zu einer gerölligen Querung, die uns zum Beginn von Drahtseilsicherungen bringt.

Das Drahtseil ist aber eher eine psychologische Hilfe für den Abstieg, da das Gelände nun steil zur Schlucht hin abfällt. Für manche Passagen eignen sich auch Wanderstecken ganz gut. Ausrutschen ist hier verboten!!! Der Klettersteig leitet hinab zu einem schmalen Einschnitt, in dem wir wieder hochturnen. Unterhalb einer kleinen Höhle führt der Steig schließlich nach rechts.

 

 

Im folgenden Bild erkennt man die Steilheit der schluchtförmigen Begrenzungswände unterhalb des Klettersteiges.


 Hier die kleine Höhle, die sich als Unterstand anbietet.

Nach der Höhle führt der Steig unschwierig zu einer Anhöhe. Davor noch ein Rückblick zum Talschluss des Fuchslochgrabens.


 Von der Felskanzel der Anhöhe blicken wir hinüber zur Großen Rechenmauer.


 Danach bringt uns eine Holzleiter über eine Felsstufe hinunter.


Der Jagdsteig zieht danach weiter südwärts zu den Abhängen des Mittagsteins. Wir verlassen aber beim ersten größeren Baum diesen gut ausgeprägten Pfad nach rechts. Leider sind die Steigspuren in diesem Bereich nur schwer auszumachen. Viele abgeworfene Kiefernadeln sorgen leider auch für einen rutschigen, unangenehmen Untergrund...


Der mehr oder weniger sichtbare Pfad verläuft zumeist knapp unterhalb südlich der Felsabbrüche und leitet zum Rastplatz an der Anhöhe des Ersten Wiener Wasserleitungsweges. Von hier zeigen sich nochmals der Großofen und davor die Große Rechenmauer.


Nun folgen wir nördlich dem Wasserleitungsweg hinab nahe zum Ufer der Schwarza. Eine Eisentreppe führt nochmals hoch und schließlich erreichen wir wieder die Rechenbrücke und den Parkplatz.













 

 

 

ALMSEE - die österreichischen Malediven?

Dieser Vergleich drängte sich mir an einem Tag im Oktober 2024 auf, als ich von den Höhen des Ameissteins auf die grün-türkisfarbenen Nuancen im Wasser des Almsees blickte. Nun der Almsee ist längst keine Unbekanntheit mehr, wie ich feststellen musste. Ich hatte mir ja extra an einem Wochentag frei genommen, und stellte mir gaaanz zeitig den Wecker, um zu diesem Kleinod von Wien aus in einem Tagesausflug zu gelangen.
Und wenn man die ersten Blicke auf den See erhascht, kann man es kaum fassen: Wir sind im Paradies angekommen!
 
 
 
Trotzdem es noch zeitig am Vormittag ist, gelingt es im Herbst der Sonne kaum noch, die Almtaler Sonnenuhr um Neuner-, Zehner-, Elfer- und Zwölferkogel in schönes Licht zu tauchen. Düster und abweisend liegen da die Felswände über dem Almsee, der hier der Umgebung zum Trotz wie ein Juwel erstrahlt!
 
 
Dieser Eindruck verstärkt sich noch, wenn man vom südwestlichen Seeende in Richtung Ameisstein hinaufwandert...
 
 
 
Zuerst ein wenig steil erreicht man in Kürze ein flaches Plateau, von dem auch andere Berge des Toten Gebirges ins Blickfeld treten.

 
 
Doch leider müssen wir feststellen, dass wir an diesem Wochentag nicht die Einzigen sind, die sich den Almsee und den Ameisstein als Ziel auserkoren haben. Bereits vom steilen Abschnitt aus hatten wir eine große Gruppe am Parkplatz bemerkt, die eine endlose Schlange bildend in unsere Richtung eilte. Und kaum das flache Plateau erreicht, überholten uns auch schon die Ersten - laut diskutierend und kaum auf das landschaftliche Schauspiel achtend, das sich uns in den zauberhaftesten Herbstfarben darbot. Und dafür sind wir sooo zeitig aufgestanden, fast 3 Stunden mit dem Auto gefahren, um jetzt so eine Vergewaltigung der Landschaft zu erleben. Und das Beste: die Leute waren durchwegs Pensionisten und viel schneller als wir!!! Da ich schon einmal am Ameisstein oben war, wusste ich, dass der kleine Gipfelbereich schon voll war, wenn 5 Leute beim Kreuz saßen. Viel mehr Ausblick gibt der Gipfel gar nicht her.
Also musste Plan B her! Wir folgten also einer Abzweigung rechts, die uns an eine Geländekante mit hohem Grasbestand führte. Doch in der Nähe gab es eine steinige Stelle, wo die Vegetation besser für eine Rast geeignet war. Dort verblieben wir endlich in der wohlersehnten Ruhe und hatten wohl einen ähnlich schönen Ausblick wie von weiter oben...
Unter uns lagen die Österreichischen Malediven - kleine Inselchen im Almsee, die von grün- bis blaufarbenen Wasserfarben umspielt waren. Ja, manche Teile erinnerten uns fast an flache Riffe. Ein Traum! Wenn das Wasser nur nicht so kalt wäre...


 
 
 
  

 
 
  
 
Nach ausgiebiger Rast und diesem einmaligen Ausblick auf Fäustling, Rotgschirr, Neuner-, Zehner-, Elfer- und Zwölferkogel entschieden wir, auf den Ameisstein-Pensionisten-Gipfel zu verzichten und wendeten uns wieder demselben Weg zum Abstieg zu. Dafür blieb noch ein wenig Zeit, um den ostseitigen Uferweg des Almsees zu besuchen. Anfangs lag das Ostufer ja vollständig im Schatten der Berge. Also stürzten wir uns erneut in den Trubel des offensichtlich überaus beliebten Ausflugszieles. Ich möchte nicht wissen, wie überbevölkert der See an einem Wochenende oder Feiertag sein würde!!!
 
 
 
Zwischen einer Meute von Pensionisten, Arbeitslosen und Krankenständlern kämpfen wir uns durch bis zu den Sandbänken, die sogar von einem skrupellosen Nackt-Bader besetzt sind. Sogar das Schwanenpaar dreht beschämt ab - ganz zu meiner Freude, denn die Beiden geben ganz entgegen dieses Ausflugstrubels doch noch ein friedliches Bild ab...

 
 
  
 
In der Ruhe liegt die Kraft - mag sein, aber nicht an diesem Tag! Links und rechts von mir, hinter mir Leute - nur nicht im See, was ich beinhart für meine Fotos ausnütze. Nun für die Vermeidung von Menschen auf meinen Fotos würde mir wahrlich der Oscar gebühren :D
 
 
 
Je später der Tag, desto mehr fällt Licht auf die gewaltigen Felswände des Rotgschirr. Ein letzter Gruß, dann ging es wieder heimwärts...